Seizan Yanagida zur Erinnerung

Bild: Yanagida Stanford Photo
Diese Foto zeigt Prof. Seizan Yanagida vor der Stanford Universität im Kreis von Kollegen anläßlich seiner USA-Vortragsreise im Herbst 1989.
Sitzend von links: William Powell, Carl Bielefeldt, Yanagida-sensei, Bernard Faure;
stehend von links: Richard Lynn, Robert Gimello, Philip Yampolsky, Peter Gregory, Mrs. Yanagida Shizue, Urs App, Robert Buswell, Griffith Foulk, John McRae.
Dank an Prof. Urs App für die Überlassung dieses Fotos!



Seizan Yanagida (聖山 柳田, 19.12.1922 - 08.09.2006) war einer der bedeutendsten Buddhologen Japans des 20. Jahrhunderts. Er wurde in einem kleinen Bergtempel der Rinzai-Zen-Schule im Dorf Inae in der Nähe von Kyōto (Japan) geboren. Sein Hauptarbeitsgebiet war die wissenschaftliche Erforschung des chinesischen Chan. Ab 1960 lehrte er als Professor im Institut für Buddhismus-Studien der Hanazono-Universität in Kyōto und nach seiner Emeritierung 1986 baute er in Kyōto das IRIZ (International Research Institute for Zen Buddhism) auf, das auch für zahlreiche westliche Buddhologen ein bedeutendes Institut für Forschungsaufenthalte wurde. Im Laufe seines Lebens hat Prof. Yanagida 50 Bücher und hunderte Fachartikel veröffentlicht - siehe hierzu die ausgewählte Bibliographie von Prof. Bernard Faure:
      Bernard Faure: Bibliographie sélective de Yanagida Seizan.
 
Einen hervorragenden Übersichtsartikel über Prof. Yanagidas umfangreiches Werk hat der amerikanische Sinologe und Chan-Forscher Prof. John McRae publiziert:
      John McRae: Yanagida Seizan's Landmark Works on Chinese Ch'an.
 
Der Schweizer Buddhologe und Philosoph Prof. Urs App arbeitete viele Jahre lang als Assistent, persönlicher Übersetzer und stellvertretender Direktor des IRIZ für Prof. Yanagida. Zwei sehr eindrückliche und sehr persönliche Vorträge, die Prof. Yanagida anläßlich seiner USA-Vortragsreise 1989 im SFZC (San Francisco Zen Center) gehalten hat, hat Prof. App freundlicherweise ins Englische übersetzt und der Verfasser dieser Zeilen mit der Erlaubnis von Prof. App ins Deutsche übertragen:


Kurzbiographie von Seizan Yanagida
(siehe auch:   https://ja.wikipedia.org/wiki/柳田聖山)
 
1922 Geburt im Dorf Inae in der Präfektur Shiga,
1940 Abschluß des Gymnasiums der Präfektur Shiga in Hikone,
1942 Abschluß an der Rinzai Fachschule (heute Hanazono-Fachschule) in Hikone,
Beginn der strengen Zen-Schulung im Rinzai-Zen-Kloster Eigen-ji,
1948 Abschluß des Studiums der Literatur an der Ōtani-Universität,
1949 Assistent für Buddhismus an der Hanazono Universität in Kyōto,
1954 Assistenz-Professor an der Hanazono Universität,
1960 Habilitation an der Hanazono Universität,
Professor am Institut für Buddhismus-Studien der Hanazono-Universität,
1962 Preis der Japanischen Vereinigung für Indische und Buddhistische Studien,
1968 Leiter des Instituts für Literatur der Hanazono-Universität,
1976 Leiter des Instituts für Geisteswissenschaften der Hanazono-Universität,
1981 Yomiuri-Literaturpreis für das Buch "Ikkyu - die Welt von Kyounshu",
1986 Emeritierung,
Gründung des IRIZ (International Research Institute for Zen Buddhism) an der Hanazono Universität,
1989 Schenkung seiner privaten Bibliothek von 14.000 Büchern an das IRIZ,
USA Vortragsreise,
1990 Einweihung einer Ryōkan-Gedächtnis Brücke am Mt. Emei in der chin. Provinz Sichuan,
1991 Korea Reise zur Einweihung der Haein-sa Sangha Universität,
1991 Medaille am pupurnen Ordensband der jap. Regierung,
1993 Schenkung seines Privathauses an die Hanazono Universität - dieses wird umbenannt in Shimonkan und ein Teil des IRIZ,
1993 27. Kulturpreis der Buddhistischen Mission,
1996 Rückzug als Direktor des IRIZ,
Orden des Heiligen Schatzes - Isao Rang 3,
2003 Besuch im Collège de France in Paris,
2006 Tod.



Sehr schön und berührend ist der Erinnerungsband, den Prof. Urs App und zahlreiche westliche und japanische Buddhologen nach dem Tod von Yanagida-sensei zusammengestellt haben:
Urs App, et al., Volume in Commemoration of Prof. Yanagida Seizan,
Kyōto: Zenbunka Kenky sho, 2008. Institute of Zen Studies Kyōto.
 
Diese persönlichen Erinnerungen zeigen Yanagida-sensei nicht nur als den hervorragenden und großen Wissenschaftler, sondern auch als einen außergewöhnlichen Menschen, gastfreundlich, sensibel, wach, an allen Fragen interessiert, undogmatisch, sehr freiheitsliebend - und im Herzen ein großer Freund des Zen-Mönchs und Zen-Dichters Ryōkan.
 
Eines von Yanagidas Lieblingsgedichten von Ryōkan war:
 
     Mein Leben mag traurig erscheinen,
     Aber auf der Reise durch diese Welt
     Habe ich mich dem Himmel anvertraut.
     In meinem Rucksack drei Pfund Reis;
     Beim Herd ein Bündel Feuerholz.
     Wenn jemand nach den Kennzeichen
          von Erleuchtung oder Illusion fragt,
     Ich kann es nicht sagen - Wohlstand und Ehre
          sind bloß Staub.
     Wie der Abendregen fällt,
          sitze ich in meiner Einsiedelei
     Und strecke beide Füße aus als Antwort.
 
                      Eine Schale, ein Gewand,
                      Zen-Gedichte von Ryōkan, S.29.
                      Werner Kristkeitz Verlag, Leimen, 1999.
 

 
Bild: Yanagida-sensei 2003 Photo
 
Diese Foto zeigt Yanagida-sensei im Jahr 2003.
Dank an Prof. Urs App für die Überlassung dieses Fotos!

M.B. Schiekel, Ulm, April 2015.


 
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